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Dienstag, 19. Mai 2009

Die Rückkehr

Nachdem bereits der König, die Mumie, Batman und ein paar Jedi-Ritter zurückgekehrt sind, bin auch ich wieder da. Zwar nicht in Gondor oder Gotham City, dafür aber in Deutschland. Nach zwölf Stunden Flug bin ich sicher und wohlauf, aber etwas zerknittert in Frankfurt am Main gelandet. Zerknittert zum einen, weil ich zu wenig Schlaf kam und zum anderen, da es im Flieger doch ziemlich eng war. Und ersteres hing stark mit zweitem zusammen.

Mein Bemühen, einen Emergency Seat zu ergattern, war nicht von Erfolg gekrönt, so dass ich einen Gangplatz wählte. Nicht ahnend, dass links von mir ein Reiner-Calmund-Klon und rechts von mir - auf der anderen Seite des Ganges (Seite, nicht Ufer) - Mutter mit Kleinkind sitzen würde. Das Kleinkind war erstaunlich friedlich, der Klon dagegen sehr vereinnahmend. Schnell waren Armlehne und Teile meines Sitzes annektiert. Zusätzlich bombadierte ein Stewart beim Abräumen des Abendessens vom Reiner-Calmund-Klon meinen rechten Oberschenkel mit Aprikosenmarmelade. Zumindest klebte es derartig.

Tom Cruise (Valkyrie), Collin Farrell (Brügge sehen und sterben) sowie Angelina Jolie (Changeling) lenkten mich geschickt ab und vertrieben mir die Zeit. Als Bonus gab es vom schuldbewussten Stewart Zuwendungen aus der Business Class: Käseplatte, Toblerone oder Macadamia-Nüsse. Nach diesen kulinarischen und cineastischen Leckerbissen kam ich dann doch noch zu einer Mütze Schlaf bevor mein Australienaufenthalt am heimischen Frühstückstisch bei Vollkornbrot und -brötchen endete.

Sonntag, 17. Mai 2009

Von Singapur ueber Indien nach Arabien und zurueck

Start meines zweiten Rundgangs durch Singapur war heute Little India. Little India liegt gleich um die Ecke meines Hostels (das sehr zu empfehlen ist) und hat mich vom Fleck weg in seinen Bann gezogen. Bunt, wuselig, riechbar! Besonders gut hat mir eine Markthalle gefallen, deren enge Gaenge zu Koerperkontakt verpflichteten und deren Staende alle Gerueche von Fisch, Fleisch, Fruechten und Gewuerzen auf Lager hatten.

Von Indien ging es in wenigen Minuten zu Fuss nach Arabien. Der Stadtteil Arab Street war okay, hatte aber nicht das Flair und die Authentizitaet von Little India. Beeindurckend sind natuerlich - generell in singapur - das Miteinander und die oertliche Naehe der vielen verschiedenen Religionen. Das macht sich am einfachsten an den jeweiligen Gebaeuden fest: Moscheen, Kirchen, Tempel, Kathedralen, Synagogen. Alles querbeet ueber Singapur City verstreut.

Meine beiden letzten beiden Stationen fuer heute haetten nicht gegensaetzlicher ausfallen koennen. Bugi Street ist ein Ramsch-Markt, wo Sonnenbrillen fuer 1,90 Dollar und T-Shirts fuer 3 Dollar feil geboten werden. Das National Museum of Singapore hingegen ein Ort der Kultur, Modernitaet und Qualitaet. Fuer 5 Dollar besuchte ich die History Gallery und bekam die Geschichte Singapurs naeher gebracht, wobei das eigentliche Highlight die Art und Weise der Praesentation war: zwei staendig kreuzende Wege fuehrten vom 13. Jhd. in die Gegenwart. Waehrend ein Weg die Geschichte des Landes anhand verschiedener Individuen (z.B. Arzt XY oder Arbeiter YZ) erzaehlte, hangelte sich Weg zwei entlang der wichtigsten Ereignisse und bedeutenden Persoenlichkeiten (z.B.: Raffles).

Samstag, 25. April 2009

Ein Kaffee bei McDonalds

Ich war noch nie ein Fan vom "goldenen M". Und Kaffee hat mir auch noch nie geschmeckt. Was passiert, wenn sich der eine Feind mit dem anderen zusammen tut, gibt’s heute zu berichten: mein perfekt ausgefeilter Plan wird durchkreuzt.

Doch von vorne. Heute ist in Australien ANZAC Day. ANZAC steht für Australian and New Zealand Army Corps. ANZAC Day ist ein wichtiger Feiertag in Australien und Neuseeland, an dem den gefallenen australischen und neuseeländischen Soldaten gedacht wird. Ursprung ist eine – für ANZAC – verheerende Schlacht im Ersten Weltkrieg in der Türkei. Diese fand im frühen Morgengrauen statt, so dass auch die Gedenkfeierlichkeiten (Dawn Service) am ANZAC Day frühmorgens mit beginnen. Frühmorgens, d.h. 04.15 Uhr.

Bedeutet für die australische Kultur schnuppernde Handvoll Deutsche aufstehen um 03.00 Uhr, am Dawn Service teilnehmen um 4.15 Uhr und die Fähre nach Manly Wharf verpassen um 05.30 Uhr. Die Fähre war angepeilt, um nach dem Dawn Service das frühe Aufstehen zum Erleben eines Sonnenaufgangs an Manly Beach zu nutzen. Sonnenaufgang war vorhergesagt für 06.25 Uhr. Nicht vorhergesagt war, dass zwei Mädels unserer Truppe unbedingt im überfüllten 24h-McD einen Kaffee zum Mitnehmen bestellen mussten, dafür ewig brauchten und die Fähre ohne uns ablegte.

Zu meiner Überraschung :) ging die Sonne aber auch am Sydney Opera House mit Blick auf Hafen und Harbour Bridge auf.

Samstag, 11. April 2009

Internationales Gequietsche



Meine Bedenken, dass mein Schlaf von meinen aus dem Nachtleben zurückkehrenden Zimmermitbewohnern gestört werde könnte, waren unbegründet. Das irische Trio war einfach noch nicht zurück als mein Wecker um 05.00 Uhr morgens klingelte!

Der Start der Tour verlief dagegen total chaotisch. Details zu diesem Chaos sind ein eigener Blogeintrag wert (folgt). Nach zwei Stunden wirren Umherfahrens innerhalb Melbournes waren wir endlich auf der Piste gen Ziel Nummer 1, Wilsons Promotory. Wir, das war ein buntgemixtes Tour-Team: Ire (29, Architekt), Schottin (trinkfest), Schwede (20, Stimmungskanone), Kanadierin (18, aus Calgary), Engländer (ca. 63, aus London, auf Weltreise, ehemaliger Prof), Dänin (Reiner Calmund lässt grüßen), Deutsche (lebt seit 2 Jahren in Brisbane), Australierin (31, Travelagent aus Townsville), Französin (arbeitet für NGOs überall auf der Welt), Kolumbianer (21, spricht kaum englisch, ist aber schon Pilot) und noch eine Französin (von der ich bis heute nichts, nicht mal den Namen weiß). Tourguide war ein Kiwi, der seit 12 Jahren in Queensland zu Hause ist. Den besten Draht hatte ich zu Schweden, Irland und Kanada.

Erster Stop nach langer Fahrt war Nähe Squeaky Beach, wohin wir innerhalb 45 Minuten „wanderten“. Angenehmes Füße Vertreten in schöner Natur bei bedecktem Himmel. Warum Squeaky Beach? Der Sand quietscht beim Drüberlaufen. Nach Gequietsche und Lunch am Strand wieder rein in den Bus und weitere Kilometer wurden gefressen. Nächster Stop war Lakes Entrance, wo wir nach Fish&Chips (lecker!), ein paar Bier und Gitarren Live-Performance vom Schweden auch übernachteten.

Donnerstag, 9. April 2009

In & Out

Im Stile der BILD-Zeitung gebe ich heute eine In & Out Liste zum Besten. Alle Angaben mit Gewähr und äusserst subjektivem Touch.

In
Musikfestivals
zur Arbeit hin oder von der Arbeit zurück joggen
gutaussehende Menschen
Kühlschränke auf Eisfachtemperaturen
schlauchförmige Bars und Cafés mit offener Küche
Umweltbewusstsein einfordern

Out
öffentliche Uhren
Busfahrer, die sich auskennen
Brillenputztücher (Marktlücke!)
Produkte „Made in China“
pünktliche Busse
Umweltbewusstsein umsetzen

Dienstag, 7. April 2009

24/7 Sturzbach

Knapp die ersten drei Wochen hatte Sydney einen schweren Stand bei mir. Warum? Das pulsierende Sydney pulsierte für meinen Geschmack ein Tick zu viel; ich hatte das Gefühl, diese Stadt hyperventiliert jeden Moment. Mit meinen Eindrücken aus Melbourne und den Erfahrungen von der Great Ocean Road im Rücken ging mir der Trubel auf Sydneys Straßen mächtig auf den Keks.

Überall Unruhe und Wirbel trotz Stau und Stillstand: Nervöses Warten telefonierender Geschäftsleute an Fußgängerampeln großer Kreuzungen respektive überstürztes Überqueren kleinerer Straßen (= dreispurig) im Angesicht des roten Ampelmännchen. Hupendes Stop-and-Go ungeduldiger Autofahrer im Verkehrsstau. Chaos an zentral gelegenen Bushaltestellen, wenn vier Busse abfahren und drei andere versuchen anzukommen. Taxis mit der Erlaubnis überall und jederzeit anzuhalten, um Fahrgäste ein- oder auszuladen. Jogger, die sich im Stile eines Slalom-Alpinisten um manchmal trödelnde, manchmal eilende, immer aber menschliche Hindernisse winden.

Die Vielfältigkeit dieses 24/7-Sturzbachs namens Sydney kennt keine Grenzen. Was bei uns „Rush Hour“ ist, ist hier der Normalzustand. Im Laufe der Zeit habe ich mich aber im Stile eines Chamäleons bestens angepasst. Jetzt bin ich der slalomisierende Jogger und rote Ampelmännchen ignorierende Fußgänger. Welch Segen, dass ich hier über keine gültige Fahrerlaubnis verfüge. Ob für meine Nerven oder meine Mitmenschen, sei dahingestellt.

Sonntag, 5. April 2009

Rugby Union, das Fernsehen des australischen Sports





Gestern abend erlebte ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Rugbyspiel live. Rugby, d.h. in diesem Fall Rugby Union, nicht zu verwechseln mit Rugby League. Diese beiden Versionen des Rugby-Sports sind ungefähr so unterschiedlich wie Hallen- und Feldhockey oder Springreiten und Dressur. Sich gegenüber standen die Waratahs und die Stormers. Erstere verteten in einer Art australisch-südafrikanisch-neuseeländischen Liga (Super14) den australischen Staat New South Wales. Der Gegner, die Stormers, repräsentieren die Western Provinces von Südafrika.

Natürlich fieberte ich mit dem Heimteam, ansässig in Sydney, mit und war dadurch auch auf der Seite der Gewinner: 12-6 hieß es am Ende. Leider war das Spiel an sich nicht sehr mitreißend. Dazu trug die Architektur des Stadions bei: weitläufig, flach, sehr offen. Die 22.000 Zuschauer füllten das Sydney Football Stadium zu schätzungsweise 2/3 und waren nicht immer am Ball. Kreuzworträtseln, Small Talk mit einem Business-Kollegen oder das neue Handy des Nebenmanns waren zwischendurch interessanter. Das Spiel war quasi ein Nebenbei-Event, so wie es seit ein paar Jahren das Fernsehen unter den verschiedenen Medien ist. Und da ich nicht wirklich ein Radio-Hörer bin, werde ich mich hüten, zum Cricket zu gehen!

Fast mehr als eine Randnotiz wert war das Verhalten der Waratahs nach Schlusspfiff: Nicht ein Spieler verschwand umgehend in der Kabine. Erst gab es eine kurze Ansprache des Captains vor versammelter Truppe auf dem Feld und anschließend eine nicht enden wollende Foto- und Autogrammstunde an den Banden des Stadions (Zäune? Was sind Zäune?). Kids, Väter und kreischende Mädels wollten IHRE Stars hautnah erleben - und konnten dies ohne Probleme, Gerangel oder Ärger. Nur ein wenig Geduld war gefragt und das Foto war gemacht. Diese authentische Nähe zwischen Sportler und Fan war sehr beeindruckend!

Funny Facts:
Kleinster Spieler der Waratahs 175cm klein und 102kg leicht.
Größter Spieler der Stormers 208cm groß und 120 kg schwer.

Sonntag, 22. März 2009

Kurioses Kreuz

Den Sonntag verbrachte ich so wie eigentlich den Samstag geplant: relaxt. Einzig ein Spaziergang ins nahe Kings Cross stand auf dem Tagesprogramm. Kings Cross gilt als verruchtes Viertel mit vielen Bars und roten Lichtern. Dennoch war ein Nachmittag nicht die falsche Zeit, um einen Einblick in diesen Stadtteil zu gewinnen. Hier zwei Beispiele.

Vorbeischlendernd an einer Sportsbar erblickte ich auf einem Bildschirm einen der Klitschkos bei der Arbeit. An der nächsten Bar hielt ich inne, schaute von draußen das Ende des Kampfes live. Neben mir ein kurioses Duo: kleiner dicker grauhaariger Grieche und an seiner Seite ein glatzköpfiges deutsches Dummbrot. Das Dummbrot erklärte dem kleinen Dicken kurz nach Kampfende auf Englisch die Welt des Boxens. Und zwar so: Klitschko won against the Kubaner, the brown guy (gemeint war der dunkelhäutige Gegner Gomez), you know?! But there are different Verbände. And Klitschko is now Champion. But only in one Verband. Daraufhin drehte der Grieche ab, das Dummbrot hinter her. Und rein ins Bordell nebenan.

Ein halbes Dutzend Skater rollte und krachte auf einem kleinen Platz mit Brunnen, Treppen und Grünanlage durch die Gegend. Am Start zwei Videokameras und mittendrin ein tätowierter, kaputter Mittvierziger in einem Elektro-Scooter. Sollte aus irgendeinem Grund sein Leben verfilmt werden, Mickey Rourke wäre die ideale Besetzung. Augenscheinlich gehörte er nicht zu den Skatern, verwickelte diese aber in ein Gespräch, um kurz darauf mit Highspeed - halb fliegend, halb fahrend - eine Treppe herunter zurasen.

Willkommen in Kings "Curious" Cross!

Mittwoch, 11. März 2009

Praktikums-Bewegung

Es kommt Bewegung ins Praktikum. Und das gleich in vielerlei Hinsicht. Seit knapp zwei Wochen ist unser IT-Pro Drew nicht mehr an Bord. Drew wandelt von nun an wieder auf Freelancer-Pfaden, wo er mehr Kohle für weniger Arbeitsstunden und dadurch mehr Zeit fürs Surfen erhält. DEN Pfad muss ich auch möglichst bald finden!

Angeheuert haben dagegen weitere Praktikanten. Seit knapp einem Monat ist eine Grafikpraktikantin am Start: Vanessa. Neben dem Praktikantenstatus haben Vanessa und ich die Nationalität gemein. Germans everywhere! Das Agenturteam verstärken seit heute zwei weitere Praktikanten, die jedoch nur zwei Tage pro Woche mit anpacken. Amis eben. Nein, Spaß beiseite, das Wisconsin-Duo Sunny und Anthony sind zum Studieren in Sydney und sammeln nebenbei praktische Erfahrung.

Bewegung kommt zudem in mein Aufgaben-Portfolio. Endlich! Als Hauptaufgabe habe ich nun die Vermarktung der Agentur selbst vor der Brust. Dass dies eine sehr weitgefasste Aufgabe ist, fiel mir sogleich auf, was mich zum Nachhaken veranlasste. Typisch australisch die Antwort: ich solle einfach mal machen, den gegebenen Rahmen nicht sprengen (Rahmen = Corporate Design = quasi kein Rahmen) und es muss nicht perfekt werden.

Und hier noch ein nachgereichtes Foto von Adobe.

Freitag, 6. März 2009

Der Teufel aus der Waschküche

Genau neben meiner Bleibe in Paddington sind rechter Hand ein Convenience Store und linker Hand ein Laundry Service. Äußerst praktisch, wenn man dringend zu überteuerten Preise Kleinigkeiten oder eine Ladung Wäsche wieder sauber und rein braucht. Mit dem Chinesen vom Convenience Store bin ich dank meines Eis-Konsums schon quasi per Du – wenn es in Australien nicht sowieso schon alle miteinander wären.

Mit Lakki, der 150cm kleinen, indonesischen (?) Unterhändlerin aus dem Waschsalon, stehe ich dagegen höllisch auf Kriegsfuß. Und das nicht erst seit eines meiner weißen T-Shirts mit Rostflecken (o.ä.) aus der Wäsche kam. Äußerst geschäftstüchtig war auch, dass ein „bag wash“ vor dem Waschen angekündigte 9 AUD und nach dem Waschen dann aber geforderte 12 AUD kosten sollte. Diese permanent mies gelaunte, muffige, pomadige Tante geht mir dermaßen auf den Keks, dass ich nur noch an Samstagen den Waschsalon aufsuchen werde. Samstags arbeitet die Chefin (Susan), der „Teufel aus der Waschküche“ hat frei und so geht der „weiße Riese“ von nun an samstags waschen.

Samstag, 21. Februar 2009

Verheiratet sein müsste man(n)

Alle paar Tage gilt es die Kapazitäten meines Mini-Kühlschranks aufs Neue auszulasten. Auf meinem Heimweg von der Agentur liegt ein großer Supermarkt (Coles; Konkurrent: Woolworths), der meinen Bedarf an Pasta, Saucen, Milch und Müsli Woche für Woche deckt. Da mir Tagliatelle mit Tomatensauce doch langsam langweilig wurden (schließlich bin ich hier nicht in Frankreich im Skiurlaub und kann mal eben mit Kronenbourg nachspülen), machte ich mich kundig, was „festkochend“ auf Englisch bedeutet, um auch ja die richtigen Kartoffeln zu erwischen.

Meine Angst, die falschen Kartoffeln zu erwischen, ist nicht unbegründet. Bisher konnte ich nur dicke, quasi massive, extrem hell gelbe, quasi fast weiße Kartoffeln entdecken, die sich eindeutig als mehlige Kartoffeln verdächtig machten. Daher kontaktierte ich einen Coles Mitarbeiter, der auch als pakistanischer Hockeynationalspieler hätte durchgehen können, dem aber bereits das Wort „potatoes“ Schwierigkeiten bereitete. Mit meinem kulinarischen Wissensquiz konfrontierte ich einen weiteren Coles Mitarbeiter, an den mich der pakistanische Hockeygott verwies.

Coles Mitarbeiter Nummer 2 hätte gut als Engländer durchgehen können, der just vom Swimming Pool zurückkehrte, wo er morgens um 7.30 Uhr ein halbes Dutzend Liegen mit Handtüchern reserviert hat. Jedenfalls entgegnete er meinem Hilfegesuch mit einer banalen Logik: „I have never heard of waxy potatoes. I don't cook. (Pause) I am married.”

Gekocht habe ich inzwischen die auf Verdacht erstandenen Kartoffeln. Wenn ich sie verspeist habe, berichte ich vom Ergebnis.

Nachgereicht:

Samstag, 14. Februar 2009

Menschen, Tiere, Sensationen!

Wer glaubt, dass das Niveau der TV-Nachrichten in Deutschland schon mies ist, der darf keinen Fernseher in Australien anschalten, um Nachrichten zu verfolgen. Das alles bestimmende Thema – zu Recht – sind die Buschbrände im Süden des Landes. Auf der Agenda stehen zudem das nationale Rettungspaket für die Wirtschaft, die Hochwasserlage im Nordosten des Landes und die zwei Haiattacken in Sydney. Diese vier Themen wechseln sich quasi reihum ab. Doch WIE diese Themen angepackt werden, insbesondere die Buschbrände, ist der letzte Katastrophenjournalismus (im doppelten Sinne!).

Gerne wird im Fall der Buschbrände als Aufhänger ein Einzelschicksal genommen. Sei es eine alleinerziehende Mutter oder ein verrückter Familienvater oder ein kamerascheuer 89jähriger Opa oder ein durch die Buschbrände getrenntes Rentnerpaar. Die Mutter hat alle ihre acht Kinder „gerettet“ und will niemals aufgeben, ihr Haus wieder aufbauen und ganz schnell in den Alltag zurück. Dabei bekommt sie paar O-Töne von Freunden und Fremden zur Seite gestellt: sie sei einzigartig, wie sie dies alles schaffe, Respekt, was für ein Frau, unser lokaler Hero. Das ist die Meldung. Punkt. Der Nächste, bitte.

Der Familienvater ist deshalb verrückt, da er anstatt vor dem Feuer zu fliehen, seine Videokamera anschaltet, einen Feuersturm von seiner Veranda aus filmt und im letzten Moment in seinen feuerfesten Bunker hüpft, den er extra für solche Fälle gebaut hat.

Der Opa will eigentlich gar nicht vor die Kamera, aber irgendwer kam auf die Idee, seine Geschichte dem Fernsehen zuzutragen, so dass im Wechsel brennender Busch und ein mieses Foto vom Opa als Standbild eingespielt werden. Dazu gibt es reichlich hochtrabenden Text auf die Ohren: er habe bereits die beiden schlimmen Buschbrände in den 30ern und 50ern miterlebt, sei immer geflohen und habe alles wieder aufgebaut. Diesmal wollte er nicht mehr fliehen. Jetzt liegt er mit Verbrennungen im Krankhaus und ist ungewollt ein Hero. Woher haben wir diese Infos? Der Mann von der Nichte des Opas gibt sie zum Besten.

Im Falle des Rentnerpaares wird SIE extra per sendereigenem Heli ins „Buschbrände-Flüchtlingslager“ transportiert, um dort vor laufender Kamera in die Arme von IHM zu sprinten und anschließend noch genug Atem zu haben, um gemeinsam mit Ehemann und Kamerateam im sendereigenen Heli noch einen Rundflug über ihr niedergebranntes Haus zu drehen. Emotionen-geil, anyone?

Das sind alles Einzelschicksale, aber sie sind quasi die zentralen Elemente der abendlichen Hauptnachrichten. Jede Meldung wird an einem Einzelschicksal hochgezogen – so funktioniert australisches Nachrichten TV. Ach, hab ich erwähnt, dass die Nachrichten nicht mehr aus einem Studio kommen, sondern von einem Nachrichtensprecher live vor Ort stehend und manchmal auch in Feuerwehrmann-Montur vorgetragen werden?

Das war mal ein Einblick in das aktuelle, tragische Geschehen in Australien abseits der Schlagzeilen deutscher Tageszeitungen zu diesem Themad.

Samstag, 7. Februar 2009

Home sweet home

Es ist vollbracht: ich verfuege ueber ein eigenes Zimmer in Sydney! Nach kurzer Suche bin ich in Paddington fuendig geworden. Ab Montag weile ich dann in einem kleinen, sehr kleinen Zimmer. Vorteil: super Lage! Nachteil: teuer im Verhaeltnis zur Geraeumigkeit! 

Von nun an kann ich aber immer zur Arbeit laufen, so dass ich mir schonmal das Monatsticket sparen kann. Das Zimmer ist voll ausgestattet. Vergessen wurde ein Schreibtisch. Zudem wurde vergessen die siamesischen Zwillinge namens "Dusche" und "Toilette" vor der Geburt zu trennen. Dafuer gibt es einen Kuehlschrank sowie ein uraltes TV-Geraet, was kein Mensch braucht - das Ding wuerde ich gerne gegn ein Waschbecken im Bad eintauschen! Gekocht wird in einer Gemeinschaftskueche, in der jeder ueber eine Art Spind verfuegt, in dem persoenliches Equipment lagert. 

Mit im Haus wohnen laut irisch-schottisch-australischem Vermieter lauter junge Leute aus allen Herren Laendern: von Irland ueber Schottland und Australien sowie Italien bis Schweden.

Der Stadtteil selbst befindet sich - wie ich im Nachhinein aus unterschiedlichen Quellen (Collin, Lonely Planet) erfuhr - eingebettet zwischen Sydneys "Gaylord Capital" (Taylor Square) und "Bordsteinschwalben City" (Kings Cross). Wohlgemerkt handelt es sich hierbei um zwei verschiedene Bezirke! Einen durchquere ich auf dem Weg zum Praktikum, den anderen beim Supermarktbesuch. So die Theorie laut GoogleMaps - die Praxis folgt naechste Woche. Paddington soll modern, hip, trendy sein und ist bekannt fuer viele kleine Cafes, Bars, Shops.

Donnerstag, 5. Februar 2009

3...2...1....Praktikum!

Heute ging bereits mein vierter Tag beim Praktikum ueber die Buehne. Bisher laeuft es mittelpraechtig, aber wie bei jedem Prakitkum heisst es erstmal beschnuppern und abklopfen. Apropos beschnuppern. Wir haben einen Agentur-Hund. Das Schlitzohr heisst Adobe, ist 8 Wochen alt und zerrupft mit Vorliebe Klopapierrollen. Das kommt davon, wenn man eine Mischung aus Pinscher und Dobermann ist.

Der Rest der Agentur-Crew setzt sich aus Joel, Jenine, Rebecca, Diana, Patricia und Drew zusammen. Joel ist der Chef fuers operative Geschaeft. Jenine und Rebecca unterstuetzen auf Marketingseite. Diana hat auch was zu sagen, nur was? Patricia ist ebenfalls Praktikant, jedoch nicht aus Uebersee, sondern aus Sydney selbst. Bleibt noch Drew, der alte Derwisch. Er ist der IT-Nerd, ziemlich freaky und sein Deo riecht nach Katzenfutter. Vielleicht macht Adobe daher einen grossen Bogen um ihn. Aber Drew ist total okay. Oh, da hab ich doch glatt den indischen/indisch-staemmigen CEO vergessen: Jeeva. Nur einmal kurz gesehen und noch kuerzer gesprochen. Aber sein Indinglisch ist gewoehnungsbeduerftig.

Lustige Randnotiz: erst dachte ich mein Praktikum kann ich mir abschreiben. Kein Klingelschild zu finden, kein Briefkastenschild zu ergruenden, wohl aber ein aufgebrochener Briefkasten mit Post fuer meinen Praktikumsgeber. Im dritten Stock angelangt war dann aber zum Glueck alles in vollem Gange. Moderne, kleine, junge Agentur mit Dachterasse, Kueche und nur halbfunktionierender Klimaanlage. Zumindest fuehlt es sich fuer mich so an. Muss mal bei der Gewerkschaft anklopfen, ob der angesagte Dresscode rechtens ist! :)