Dienstag, 7. April 2009

24/7 Sturzbach

Knapp die ersten drei Wochen hatte Sydney einen schweren Stand bei mir. Warum? Das pulsierende Sydney pulsierte für meinen Geschmack ein Tick zu viel; ich hatte das Gefühl, diese Stadt hyperventiliert jeden Moment. Mit meinen Eindrücken aus Melbourne und den Erfahrungen von der Great Ocean Road im Rücken ging mir der Trubel auf Sydneys Straßen mächtig auf den Keks.

Überall Unruhe und Wirbel trotz Stau und Stillstand: Nervöses Warten telefonierender Geschäftsleute an Fußgängerampeln großer Kreuzungen respektive überstürztes Überqueren kleinerer Straßen (= dreispurig) im Angesicht des roten Ampelmännchen. Hupendes Stop-and-Go ungeduldiger Autofahrer im Verkehrsstau. Chaos an zentral gelegenen Bushaltestellen, wenn vier Busse abfahren und drei andere versuchen anzukommen. Taxis mit der Erlaubnis überall und jederzeit anzuhalten, um Fahrgäste ein- oder auszuladen. Jogger, die sich im Stile eines Slalom-Alpinisten um manchmal trödelnde, manchmal eilende, immer aber menschliche Hindernisse winden.

Die Vielfältigkeit dieses 24/7-Sturzbachs namens Sydney kennt keine Grenzen. Was bei uns „Rush Hour“ ist, ist hier der Normalzustand. Im Laufe der Zeit habe ich mich aber im Stile eines Chamäleons bestens angepasst. Jetzt bin ich der slalomisierende Jogger und rote Ampelmännchen ignorierende Fußgänger. Welch Segen, dass ich hier über keine gültige Fahrerlaubnis verfüge. Ob für meine Nerven oder meine Mitmenschen, sei dahingestellt.

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